Silfra Island ©Ines Erlacher

Island – Silfra Schnorcheln zwischen zwei Kontinenten

Wir stehen nun vor der Entscheidung: nochmals die Walsafari versuchen? Oder doch lieber Schnorcheln zwischen zwei Kontinenten in der Silfra Spalte? Die meisten Tour-Anbieter versprechen einem ja, dass man das Objekt der Begierde auch sieht. Wenn nicht gleich bei der ersten Tour dann vielleicht bei einer kostenlosen Wiederholung. Wir entscheiden uns schließlich für das Schnorcheln. Der Gutschein für die Walsafari gilt für 2 Jahre – vielleicht schaffen wir es ja in der Zeit wieder nach Island…

Wenn mehr Tageslicht zur Verfügung steht sind sogar beide Touren an einem Tag möglich. Ende Oktober aber leider nicht. Eigentlich ist die Silfra-Tour bereits ausgebucht, aber wir haben Glück. Wir bekommen dennoch einen Platz. Nun gut ein bisschen Überzeugungsarbeit mussten wir dafür schon leisten, aber das kann man sich einfach nicht entgehen lassen! Wir werden wieder direkt beim Hotel abgeholt. Ein sehr netter Franzose Namens Adrien erzählt uns auf dem Weg bereits einige interessante Dinge. Nach dem Briefing vor Ort geht es ans Eingemachte: wasserdicht verpacken heißt die Devise. Bei dem Anblick der Trockentauchanzüge steigt die Aufregung. Beim Anziehen dann die Angst: zuerst die, es niemals in den Anzug hinein zu schaffen. Hat man das dann endlich geschafft, fragt man sich, wie komme ich da jemals wieder raus? Bei manchen, wie auch bei mir, wurde am Hals und an den Handgelenken noch mit Klebeband gearbeitet. Es wirkt etwas beklemmend, aber bei knackigen 2°C Wassertemperatur ist komplett wasserdicht wahrscheinlich die bessere Wahl 🙂

Es trennt uns nur mehr ein kurzer Fußmarsch durch die beeindruckende Landschaft von unserem Ziel, der Silfra Spalte. Silfra heißt so viel wie „die silberne Lady“ und befindet sich im Þingvellir (Thingvellir) Nationalpark, am Nordufer des Sees Þingvallavatn. Genauso majestätisch wie der Name klingt, präsentiert sie sich dann auch. Aber zuerst freuen sich das Gesicht und die Hände auf die Kälte, denn das Gesicht hat direkten Wasserkontakt und die Hände umschmeichelt das kalte Wasser, welches im Neoprenhandschuh eigentlich eine wärmende Schicht bilden sollte. Bei mir eher Fehlanzeige. An einen warmen Ort mit Cocktails zu denken hilft da einigermaßen. Sobald man aber die Lady in ihrer vollen Pracht erfasst hat, ist man bereit die Finger für diesen Anblick leiden zu lassen 🙂

Silfra Island © Ines Erlacher und Thomas Mussbacher Silfra Island © Ines Erlacher und Thomas Mussbacher

Mit 100 bis 120m Sicht ist das Wasser noch weiter als der Grüne See in Österreich, der mit Sichtweiten von bis zu 50m sicherlich zu den klarsten Gewässern zählt. Getrübt wird die Sicht manchmal nur durch die Enge. An manchen Stellen ist die bis zu 63m tiefe Schlucht so eng, dass man beide Kontinente gleichzeitig berühren kann: man befindet sich also quasi gleichzeitig in Amerika und Europa. Was macht man natürlich, wenn man in so klarem, frischem Wasser ist? Einen Schluck nehmen. Unser Guide erzählt uns, dass es bis zu 1.000 Jahre braucht, bis sich das Schmelzwasser den Weg durch das Lavagestein vom Langjökull-Gletscher bis in die Silfra-Spalte bahnt. Das Wasser muss dabei durch die poröse Lava und ist deshalb so klar und gefiltert. Somit das klarste und frischeste Wasser, das wir je getrunken haben. Dies sollte man allerdings gleich zu Beginn machen, denn dann mischen sich auch ein paar Algen ins Geschehen.

Die Gefühle die man bei der Durchquerung hat lassen sich nicht wirklich in Worte fassen. Begeisterung und Ehrfurcht treffen es wohl am besten. Am Ende schwimmt man dann von der Engen Spalte hinaus in ein Becken. Hier begreift man das erste Mal richtig die Weiten der Sicht. Spätestens jetzt melden sich dann aber die Hände zurück und man muss gezwungenermaßen leider aus dem Wasser. Als erstes will ich mir gleich die Handschuhe ausziehen, aber davon rät mir unser Guide ab. Ernsthaft? Ich soll die Dinger wirklich noch anbehalten? Ja, denn spätestens jetzt entfaltet die isolierende Wasserschicht auch bei mir ihre Wirkung und ich bekomme wieder warme Hände. Nachdem auch ich mich endlich aus dem Trockentauchanzug gekämpft habe, treffen sich alle Schnorchler und Taucher noch zu Kakao und Keksen. Wir sorgen bei einigen für zusätzliche innere Wärme: unser mitgebrachter Schnaps erfreut sich größter Beliebtheit. Wirklich verarbeiten kann man die Eindrücke erst danach. Mein persönliches Fazit: ein Erlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen darf. Wir können die Crew von Dive.is auf jeden Fall weiterempfehlen. Es hat alles perfekt gepasst.

Unsere Gopro war natürlich auch dabei. Hier das Video von unserem unvergesslichen Schnorchelerlebnis in der Silfra-Spalte:

Am Abend machen wir uns wieder auf nach Thingvellir. Diesmal aber um Nordlichter zu sehen. Thomas testet die Kameraeinstellung und holt sich noch letzte Tipps von unserem Guide. Anfangs sehen die Bilder aus als wäre es ein Nachmittag am See. Die Belichtungsdauer wieder etwas reduziert sehen wir plötzlich einen leichten grünen Schimmer: die Aurora Borealis tanzt für uns. Exklusiv nur für uns, oder besser gesagt für unsere Kamera. Leider ist sie so schwach, dass man sie mit dem Auge am Himmel nicht erkennen kann. Das Licht des Vollmonds erschwert es uns zusätzlich. Nachdem nur wir dieses kleine Nordlicht eingefangen haben und dieses auch nur auf der Kamera zu erkennen ist, bekommen wir auch hier nochmals einen Gutschein. Leider haben wir während dieses Island-Trips nicht mehr die Möglichkeit die Walsafari und die Nordlicht-Tour zu wiederholen, aber wir wollen auf jeden Fall wieder kommen. Beim nächsten Mal werden wir Island dann auf eigene Faust erkunden. Die Bus-Touren sind allesamt sehr professionell, aber die Bedingungen auf den Straßen sind auch viel besser als erwartet und damit bietet sich auch eine Erkundung mit Mietwagen an.

Für alle die selbst die Aurora Borealis tanzen sehen wollen, die Chancen stehen gut. Wir haben es nun drei Mal probiert und zwei Mal davon das beeindruckende Phänomen beobachten können:

  1. Island: grundsätzlich sind hier die Chancen hoch, wir hatten Vollmond und daher nur einen grünen Schimmer am Bild.
  2. Spitzbergen: laut Auskunft der Einheimischen gibt es nur selten die Chance – wir hatten Glück.
  3. Tromsø: auch hier wurden wir für das Warten belohnt.

 

Mehr will ich dazu noch nicht verraten. Ich werde dazu aber bald eigene Artikel posten. Bis dahin könnt ihr ja schon einmal in diesem Artikel nachlesen, wie es vielleicht auch bei euch mit den Nordlichtern klappt: Unsere 15 Tipps, um die Aurora tanzen zu sehen.

2 Gedanken zu “Island – Silfra Schnorcheln zwischen zwei Kontinenten

  1. Wow! Ich fliege im September für zwei Wochen nach Island und bin am überlegen, ob wir uns das Tauchabenteuer gönnen sollen. Da ich aber schon im Grünen See immer fast erfroren bin, zögere ich noch 😉 Ein Erlebnis scheint es aber alle mal zu sein. Euer Beitrag hat mir gerade große Lust gemacht das Abenteuer zu wagen!

    1. Liebe Christine!
      Danke für deinen lieben Kommentar
      Du solltest es unbedingt machen! Auch wenn die Hände kalt werden, der Rest bleibt gut warm… der Grüne See ist auch so toll, leider darf man da nun nicht mehr tauchen. Viel Spaß schon einmal für September. Bei uns gehts schon nächste Woche wieder nach Island. Liebe Grüße Ines

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